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| Hochwasser fließt durchs Schuhhaus Niemann |
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Bückeburg (rc/bus/wk). Der Starkregen hat auch in Bückeburg zu erheblichen Problemen geführt. Bis gestern Nachmittag musste die Feuerwehr zu weit über 50 Einsätzen und Hilfeleistungen ausrücken. Die gesamten Wehren der Stadt waren zum Teil ab Donnerstagabend mit rund 130 Kräften im Dauereinsatz. Dazu kamen 20 Kräfte der THW-Ortsgruppe sowie Helfer der DRK-Kreiseinsatzbereitschaft, die auf dem Bauhof Sandsäcke füllten.
Am schlimmsten traf es die Kornmasch, wo fast alle Höfe absoffen (siehe auch Bericht unten) sowie die Ortsteile Cammer und Rusbend. In Cammer lief das Wasser durch das Schuhhaus Niemann, im Keller stand das Wasser zwei Meter hoch. Der Schaden dürfte nach vorsichtigen Schätzungen in die Hunderttausende gehen. Firmenchef Philipp Niemann, auf Geschäftsreise unterwegs und auf dem Rückweg, sagte nur, dass er nicht zu einer Stellungnahme fähig sei.
In Rusbend floss das Wasser, wie schon bei der Überschwemmung 2002, durch die Häuser des Baugebietes Kleine Wiese und angrenzende Wohngebiete. Auch hier waren Feuerwehr und Hilfskräfte im Dauereinsatz.
Die Koordination der Einsätze hatte die Feuerwehr Bückeburg-Stadt übernommen, in deren Gerätehaus an der Röntgenstraße die Telefone und Funkgeräte nicht stillstanden. Auf großen Papierbögen wurden die Einsatzorte notiert, Einsatzkräfte koordiniert und geprüft, ob überhaupt ein Einsatz der Feuerwehr möglich und nötig ist.
Nach Auskunft des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Erwin Tatge war die erste Alarmierung in der Kernstadt am Donnerstagabend um 19.34 Uhr eingelaufen. Danach ging es Schlag auf Schlag, wurden zeitgleich weitere Wehren zu Einsätzen angefordert. Der Löschzug Bückeburg-Ost rückte nach Stadthagen aus, um dort zu helfen. In der Kernstadt waren neben der Kornmasch insbesondere Falkingsviertel und Hannoversche Straße, die Brandenburger Straße sowie die Herderstraße betroffen.
In Cammer hatte die Feuerwehr am Donnerstagabend um 18 Uhr ihren ersten Einsatz. Insgesamt verzeichneten die Hilfskräfte sieben vollgelaufene Keller. Freitagmorgen gegen 9 Uhr rückten die Blauröcke zum Schuhhaus Niemann aus, das komplett unter Wasser stand. Die Einsatzkräfte versuchten mit bis zu 60 Personen und mithilfe von fünf Pumpen, der Wassermassen Herr zu werden. Nach Ansicht von Ortsbürgermeister Friedrich Rösener ist eine Verstopfung des Aue-Kanals bei der Unterquerung der Straße „Im Grund“ die Hauptursache der Überflutung. „So schlimm ist es in Cammer noch nie gewesen“, beschrieb Rösener die Lage.
Land unter auch in Rusbend: Um 3.30 Uhr ging der erste Alarm ein, berichtete der stellvertretende Ortsbrandmeister Volker Janze. Zum einen wurde daraufhin die von Deinsen nach Rusbend führende Straße wegen Überschwemmung gesperrt, zum anderen waren die Retter mit dem Auspumpen von – Stand: Freitagvormittag – drei voll gelaufenen Hauskellern beschäftigt.
Eines davon war das im Zuschlag 7 gelegene Wohnhaus von Georg Schweer. Rund 30 Zentimeter hoch habe dort das Wasser im Keller gestanden, als er das Desaster entdeckt hatte, erzählte der Senior. Dies sei allerdings die Situation gewesen, nachdem die Pumpen bereits einige Zeit im Einsatz gewesen waren und er die Tür zur Waschküche endlich habe öffnen können.
Insgesamt bot sich Schweer ein schlimmes Bild: Alle Möbel durchnässt, Kühlschrank, Kühltruhe und Waschmaschine vermutlich kaputt und ein großer Teil der zuvor in Reih und Glied auf dem Boden gelagerten Sachen durch das Wasser chaotisch durcheinandergespült.
„Das Problem ist immer das gleiche“, schimpfte dessen Nachbar Kai-Uwe Buchenau: Jedes mal, wenn eine Überschwemmung droht, stelle der Abwasserverband Gehle-Holpe die Schmutzwasserpumpen der zur Volksdorfer Kläranlage führenden Kanalisation ab, um angeblich die dortigen Bakterienkulturen zu schützen. Und in Rusbend gebe es dann stets einen Rückstau in den Leitungen, wodurch das mit Exkrementen verunreinigte Wasser aus den Abflüssen nach oben gedrückt werde.
An der Röntgenstraße in Bückeburg liefen derweil weiter die Fäden zusammen. Gegen Mittag wurden Einsatzkräfte herausgelöst und „für einige Stunden“ zum Schlafen nach Hause geschickt. Denn gegen 22 Uhr gestern Abend wurde eine weitere Hochwasserwelle in Bückeburg erwartet. „An manchen Stellen retten uns derzeit nur noch Zentimeter, hoffentlich reicht es“, so Erwin Tatge.
Der am Morgen erst einmal unterwegs war, um seine Mannen mit Essen und Getränken zu versorgen. Derweil kümmerten sich andere darum, dass Frauen der im Einsatz befindlichen Kräfte von der Arbeit abgeholt wurden oder Kinder von Schulen und Kindergärten. Ein Feuerwehrmann: „Auch das ist Ehrenamt. “
Land unter in Cammer: Das Schuhhaus Niemann steht unter Wasser, der Schaden dürfte in die Hunderttausende gehen.
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