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| „Wer Feste in der Stadt nicht mag, der soll wegziehen“ |
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Bückeburg (tw). Ist das ein Finale: Mit einem Empfang in der bis zum letzten Platz gefüllten Stadtkirche, einem Salutschuss der Wachkompanie und einem Fest im Schlosspark heißt die Residenzstadt, die sich am gestrigen Sonntag mit Fug und Recht so nennen darf, „Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg“ willkommen. Auf dem Marktplatz muss der von Landesbischof Karl-Hinrich Manzke und Landtagspräsident Herrmann Dinkla sowie dem Bürgerbataillon eskortierte hohe Herr im Beisein von Bürgermeister Reiner Brombach ein letztes Mal Gerichtstag halten.
Zwar habe Bückeburg lange nicht so viele und lange nicht so drückende Sorgen wie etwa Stadthagen und Obernkirchen – aber Einiges müssten die Bürger doch loswerden, sagt der Bürgermeister.
„Die Kulturschaffenden“, so die Petition von Cora Horstmeier, „beklagen sich über die Schwerfälligkeit der Bückeburger Bevölkerung bei der Akzeptanz moderner, darstellender Kunst. Skulpturen, Denkmäler, Bilder werden immer noch in Sandstein gewünscht. Moderne Darstellungsformen werden leider abgelehnt. Die sehr emotional geführten Diskussionen darum arten nicht selten in Verleumdungen aus…“ – „Man kann’s leider nicht allen recht machen“, so der „Fürst“ achselzuckend.
Eingabe von Dr. Jürgen Höcker an den „Souverän“: „Bei gutem Wetter sitzen viele Bürger in ihrer Freizeit in den Straßencafés und Außenbewirtschaftungen der Gasthäuser, entspannen sich von harter Arbeit und genießen das Leben. Nun gibt es aber einige Bürger hier in Bückeburg, von denen sich einer besonders kritisch zeigt, denen diese Veranstaltungen im öffentlichen Straßenraum zu häufig und zu laut sind. Wir übrigen Bürger möchten uns von einigen wenigen Mitbewohnern nun nicht mehr bevormunden lassen…“ Antwort von Ernst unter dem sofort und spontan aufbrandenden Jubel der Bürger: „Wer auf dem Land lebt, lebt mit dem Krähen der Hähne. Wer in der Stadt lebt, lebt mit den Festivitäten. Wem das nicht passt, der soll wegziehen.“
Die Schaumburger Identität stellt „Landeshauptmann“ Heinz Gerhard Schöttelndreier in den Mittelpunkt der dritten und letzten Petition: „Die Bevölkerung des heutigen Landkreises Schaumburg lebt noch immer auf der Landfläche, die vor 900 Jahren Stammland der Schaumburger wurde. Nun spricht man in der Landespolitik immer wieder von Landkreisreformen und Zusammenlegungen zu größeren Einheiten. Dabei gerät Schaumburg in die Gefahr, Randgebiet von viel zu großen, aber schwachen Verwaltungseinheiten zu werden. Das wollen wir nicht. Wir fordern: Hände weg von unserem Landkreis.“
Diese Bitte, verspricht „Ernst“, will er gerne in Hannover vortragen. Allerdings sei ihm in den elf Tagen seiner Reise durch Schaumburg klar geworden, dass Grenzen heute längst nicht mehr die Bedeutung wie noch zu seiner eigenen Regierungszeit hätten. „In den Herzen“, so der „Fürst“, „gibt es keine Grenzen“. Ein Beleg dafür sei das einst zur Grafschaft Schaumburg gehörende Hessisch Oldendorf, wo ihm die Menschen noch heute viel Begeisterung für Schaumburgisches entgegenbringen würden.
Indes: Die Eingabe des Landrats ist für den Fürsten (den wir jetzt nicht mit Anführungszeichen schreiben müssen, weil es diesmal der echte ist), eine Steilvorlage: „Wenn man schon Großkreise schaffen will, sollte man Schaumburg zuerst die Seeprovinz zurückgeben“, sagt Alexander zu Schaumburg-Lippe, der die Bühne erklommen hat und sich im übrigen als des Fürsten „Urgroßenkel in elfter Generation“ vorstellt.
In den späten Abendstunden brennt die Stadt zu Ehren des zeitreisenden „Landesvaters“ noch ein Feuerwerk über seinem einstigen Regierungssitz ab – ehe „Fürst Ernst“ sich dann für die nächsten 100 Jahre erneut ins Elysion auf die vom Okeanos respektive vom Steinhuder Meer umflossene Insel der Seligen verabschiedet und die Untertanen von gestern am heutigen Morgen als freie (Bücke-)Bürger erwachen. Was ja auch schön ist…
Mehr Bilder vom Fürsten-Fest im Internet: www.landes-zeitung.de
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